[Rezension] Brausepulverherz - Leonie Lastella

Montag, 19. Juni 2017

Infos
Verlag: Fischer ~ Format: Taschenbuch ~ Altersempfehlung: ab 14 ~ Seitenzahl: 496 ~
ISBN: 978-3-596-03546-5   ~ Preis: €9,99 (D)
Klappentext
Wenn das Herz kribbelt und bitzelt, wie Brausepulver auf der Zunge …

Jiara lebt eigentlich in Hamburg, jobbt aber den Sommer über in einer Trattoria an der italienischen Riviera. Ihr ansonsten so strukturiertes Leben steht Kopf, als sie Milo trifft. Na ja, von einem »Treffen« kann hier nicht die Rede sein, eher von einer Explosion, einem Tsunami, einem Feuerwerk.
Nein, Letzeres wäre dann doch zu kitschig.
Sofort ist da dieses Knistern und Kribbeln. Nur manchmal fühlt es sich eher an wie viele kleine Stromschläge – so grundverschieden sind die beiden. Und eigentlich darf das alles nicht sein: Jiara hat einen Freund, ein Leben und eine Zukunft in Hamburg – oder?
So beginnt es
Es riecht nach Hefeteig, selbstgemachter Tomatensauce und frischem Basilikum.
Was ich sage
Brausepulverherz von der wundervollen Leonie Lastella  war eine der Neuerscheinung im Mai, die sofort mit Erscheinen auf meinem SUB gelandet ist und auf die ich mich sehr, sehr gefreut habe. Ich habe das Glück gehabt, das Buch direkt an dem Tag, an dem es gerade frisch in der Buchhandlung meines Vertrauens, ausgepackt wurde zu ergattern. Danach wollte ich es für den richtigen Moment aufgeheben, wenn die Sonne scheint und ein gewisses Sommerfeeling in der Luft liegt. Zum Glück musste ich nicht allzu lange darauf warten.

Was hat mich bei diesem Buch wohl als erstes fasziniert?! War es der witzige Titel, die tollen sommerlichen Farben, bei denen ich unweigerlich an Sommer, Sonne, Strand und Meer denken muss?! Es war glaube ich, eine Mischung aus Beiden, denn das Cover mit seiner positiven Ausstrahlung hat mich sofort in seinen Bann gezogen und den Titel fand ich vom ersten Lesen her so witzig und originell, dass ich wusste: "Musst du unbedingt lesen!"

Die Geschichte handelt von der jungen Jiara (übrigens ein toller Name, wie ich finde), die ihre Sommer in der Quasi-Familientrattoria in dem kleinen Ort Finale in Italien verbringt. In dieser idyllischen Umgebung, die nur von Meer, Sonne, Strand und jede Menge Gelato geprägt ist, fühlt sich die junge Frau frei. Dort kann sie ihrem sonst durchstrukturierten Alltag in Hamburg entfliehen und einfach nur sie selbst sein, wenn sie wüsste wer sie denn wirklich sein möchte. Als der Musiker Milo plötzlich in ihr Leben tritt, verändert sich mit einem Mal alles und alles ist noch wortwörtlich untertrieben. Es ist wie eine Explosion, die ihre Grundfesten erschüttert und zum Einsturz bringt, denn nach diesem Sommer ist nichts mehr wie es vorher war.

Ich könnte jetzt schon anfangen eine Lobeshymne auf das Buch zu schreiben!! Aber ich halte mich noch etwas zurück und beginne bei den Hauptfiguren. Da wären einmal die junge Studentin Jiara, die von allen um sich herum immer wieder zuhören bekommt, dass sie ohne ihre Familie und besonders ohne ihren Freund Jonas nicht überlebensfähig sei. Eigentlich geht es der lebensfrohen Frau wie vielen Frauen in ihrem Alter, denn sie weiß einfach noch nicht wohin der Weg sie führen wird und was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen soll. Für ihren Freund, der ihr keine Frage irgendwie gut tut und den sie auch irgendwie liebt, ist das Leben ein Plan, der am besten zehn Jahre im Voraus erstellt wird. Er hat genaue Vorstellungen und Erwartungen an sich, seine Zukunft und auch an Jiara. Die fühlt sich dadurch allerdings immer mehr wie ein Vogel im Käfig, der vergessen hat in Freiheit zu fliegen. Sie hat Ideen und Träume, doch durch ihr Umfeld wurde sie immer klein gehalten, die Träume im Keim erstickt. Erst als sie auf Milo trifft ändert sich ganz langsam ihre Sichtweise. Der attraktive Italiener lebt seinen Traum Musik zu machen, doch auch er ist nicht wirklich glücklich mit seinem Leben wie es ist. Er wohnt, wo die Auftritte ihn hinziehen, hat nichts weiter als die Gitarre und ein paar Klamotten in einem zerschlissenen Seesack bei sich. Sein Leben ist vollkommen planlos und ohne Ziel, allerdings ist dies auch etwas, dass dem jungen Mann nach und nach immer mehr bewusst wird. Und ihm wird bewusst, dass er so eigentlich nicht auf Dauer leben möchte. Auch er hat Träume, doch der Verwirklichung stehen noch die Familie und die Gefühle im Weg.

Beide Figuren haben mir wirklich gut gefallen, obwohl mir Jiaras "Ah Hilfe, ich kann das nicht"-Art manchmal wirklich genervt hat und ich sie am liebsten nur noch geschüttelt hätte. Ich glaube allerdings, dass ich mich da selber in ihr wiedergefunden habe, Träume zu haben, aber sie nicht verwirklichen können, weil einem einfach der Mut dazu fehlt. Ich bewundere sie dafür, dass sie schließlich diesen Schritt gegangen ist und ihre Träume verwirklicht hat ohne etwas auf das zu geben, was die Menschen um sie herum sagen. Spannend fand ich auch die Entwicklung von Milo, der mir zu Beginn des Buches wie ein kleiner Vagabund mit Gitarre vorkam, der überall und nirgends zu Hause ist. Er wirkte sehr verloren auf mich und auch wenn er sich immer irgendwie selbstbewusst und schlagfertig gegeben hat, hat man doch gemerkt, dass er ein großer Softy im Inneren ist. Ich konnte seinen Zwiespalt bezüglich seiner Gefühle für Jiara teilweise allerdings nicht ganz nachvollziehen. Manchmal wäre es einfacher miteinander zu reden, statt zu schweigen und wegzulaufen. Manchmal ist Abstand aber auch ganz gut, denn wie man sieht, konnte Milo durch die Zeit, die er mit Jiara verbracht hat, sein Leben neu ordnen, Prioritäten setzen und seinen Traum verwirklichen.
Um noch ein Wort zu den Nebencharakteren zu sagen insbesondere zu Jonas: Ich hatte von Anfang an ein Bild von einem Schnösel in Hemd, Chino- oder Anzughose und glattgeleckten Haaren im Kopf und er war mir sofort unsympathisch!! Vielleicht tue ich ihm damit auch etwas unrecht, denn er hat ja nach Jiaras Rückkehr irgendwie schon gemacht und getan damit es funktioniert. Allerdings dann diese Art und Weise mit der anderen Frau nur damit Jiara einen besseren Grund hat entgültig einen Schlussstrich zu ziehen, fand ich unterste Schublade. Mich gruselt es jetzt beim Schreiben noch, auch dass er sich nie wirklich Gedanken darüber gemacht hat ob sie überhaupt das will was er will?! Gut, dass sie sich letztendendes gegen ihn entschieden hat, denn sie wäre nie mit ihm glücklich geworden.

Das mir die Figuren gefallen haben ist nun, glaube ich, mehr als deutlich geworden! Aber auch der Schreibstil von der zauberhaften Leonie Lastella ist fantastisch!! Sie entführt den Leser mit jedem Wort an die italienische Riviera und erzählt frei und unkomliziert eine wundervolle Geschichte über die große Liebe! Ihr flüssiger Schreibstil vereinfacht das Lesen noch mal zusätzlich und das Kopfkino war bei mir die ganze Zeit da! Ein toller Film mit Meer, Strand, jeder Menge Herzschmerz und Gelato, den ich immer wieder sehen bzw. lesen würde.
Fazit
Brausepulverherz hat mir alles gegeben, was ich mir von einem guten Buch wünsche. Es hat mich entführt in ein anderes Land, mich zum Lachen gebracht, mir die Tränen in die Augen gezaubert. Ich habe mit Jiara gelitten und habe Jonas verflucht und sehnlichst gewünscht, dass sie ihren Traum irgendwann lebt!! Vielleicht sollten wir das alle - ein bisschen mehr unsere Träume leben!! ABSOLUTE LESEEMPFEHLUNG!!!






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